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Ich glaube, den hatte ich auch noch nicht gebracht,
außer ein paar Schallplattenvorstellungen......
Ich denke, dass auch er relativ wenig Berücksichtigung gefunden hat und
es verdient, dass man sein bisheriges Schaffen einmal näher beleuchtet,
weil er es wirklich verdient hat.
Am 10.3.1953 wurde er als Ronnie Horvath in Queens, New York, geboren.
Seine Eltern waren ungarische Juden. Sein Vater überlebte die
Unterbringung in drei Konzentrationslagern, während die Familie der
Mutter in ungarischen Ghettos untergebracht war. Nach dem Kriege zogen
beide (späteren) Eltern nach New York, wo sie sich zufällig trafen. An
diese Zeit erinnernd, hat Ronnie Earl dann später auf der CD „The colour
of love" ein Stück der im KZ umgekommenen Anne Frank gewidmet (Anne's
dream). Ronnie's Vater war Jazzliebhaber und nahm ihn
bereits im Alter von 5 Jahren mit zu Konzerten von Louis Armstrong.
Etwas älter, erlebte er dann noch Musiker wie Charles Mingus, Dave
Brubeck, Jimmy Smith . Darüber hinaus lernte er die Musik von George
Gershwin kennen und schätzen. Er fühlte sich von diesem bluesigen Sound
wie in „Summertime" und „Rhapsody in Blue" angezogen.
Seine Eltern ermutigten ihn, eine musikalische Ausbildung durchzuführen,
aber es sollte das Klavier sein, doch ihr Drängen half nicht - er wurde
er von den Beatles mitgerissen, Beatles-Stiefel sollten es sein, die
Haare wuchsen, er wollte eine Gitarre haben, bis er dann endlich mit 19
die erste, eine akustische hatte.
Anfang Zwanzig lernte Ronnie ,Gitarre zu spielen, als er in die
Universität von Boston aufgenommen wurde. Ausschlaggebend soll der
Besuch eines Muddy Waters-Konzertes gewesen sein. Er entwickelte schnell
ein besonderes handwerkliches Können und wurde in einem Club in
Cambridge, Massachusetts, dem „Speakeasy", Mitglied der Hausband und
hatte dort die Möglichkeit, für viele Bluesgrößen als Musiker
mitzuspielen., als da waren Big Mama Thornton, Otis Rush, Big Walter
Horton. Auf Vorschlag von Muddy Waters änderte er seinen Namen in Ronnie
Earl, als Widmung an einen von Ronnie's „Helden", dem großen Earl
Hooker. (angeblich hatten alle Schwierigkeiten, Ronnie's Nachnamen
korrekt auszusprechen).
Während einer dieser Auftritte war es dann auch der Gitarrist von „Roomful
of Blues", Duke Robillard, der Ronnie als seinen Ersatz für die Band
vorschlug. Er konnte die Bandmitglieder davon überzeugen , dass Ronnie
der einzige sei, der ihn ersetzen könne. Letztlich führte der Einstieg
bei „Roomful of Blues" zu einer von 1979 bis 1987 währenden Kooperation.
Hier lernte er den Blues direkt „von der Straße", da die Band ein
enormes Tourprogramm hatte. Sie galten damals als die am härtesten
arbeitende Tourband in diesem Geschäft.
Noch während der Zeit mit der Band erschien, neben vorherigen
Single-Veröffentlichungen u.a. mit John Nicholas und Sugar Ray und unter
eigenem Namen, die erste Ronnie Earl-LP, „Smokin' (1982). Neben weiteren
Veröffentlichungen auf BLACKTOP folgten ab 1994 BULLSEYE, AUDIOQUEST und
sein einziges Album auf einem Major-Label, VERVE(1997).
Anschließend folgten zwei Veröffentlichungen für TELARC, bis er dann
schließlich bei STONY PLAIN seine bisher noch anhaltende Wirkungsstätte
fand (2 CDs, 2003 und 2004).
Als Inspirationsquellen für die vielseitige Musik Ronnie Earls gelten
neben Bluesgrößen wie Earl Hooker, Magic Sam, Freddy King und T-Bone
Walker auch Jazzmusiker wie Thelonius Monk, John Coltrane und Wes
Montgomery.
Hieraus ergibt sich dann Ronnie's eigener, fast unverwechselbarer Stil,
der sich durch virtuoses Spiel allererster Güte, perlende Dynamiksprünge
und ein unglaublich emotionales Verhalten ausdrückt. Gerade live
entwickelt Earl sprunghaft immer wieder neue Ideen. So wie er selbst
hierzu sagt, denke er nicht, wenn er spiele. Es sei unwichtig, ob es
gerade ein Jazz- oder Bluesstück sei. Er versuche nur, das zu spielen
und auszudrücken, was er gerade fühle.
Und ich denke - nicht nur bei genauem Hinhören, genau das kann man auch
spüren bei vielen der Stücke. Neben seiner Liebe, Stücke zu komponieren
brauche er es, einfach einmal nur drauf loszuspielen ( und das er sich
die Seele aus dem Leib spielen kann, merkt man spätestens bei dem
fantastischen „Blues for the West Side" auf der Live-CD!!!).
Nach eigenem Bekunden seien seine heutigen Lieblingsgitarristen Jimmie
Vaughan (Stevie Ray's Bruder), George Benson, Pat Martino, Kenny
Burrell, Tuck Andress und Sue Foley. (Achtung - tolle weibliche
Gitarristin!!!!)
Auch bewundere er noch immer Peter Green - schließlich sei es ein
Wunder, dass er noch immer spiele.
Leider wurde Mr. Earl auch nicht von den Verlockungen des Showbusiness
verschont und verfiel den Drogen (Kokain) und dem Alkohol; beides
konsumierte er von 1970 bis 1988. Um dem Tourstress aus dem Weg zu
gehen, gab er dann damals sowohl das Engagement bei R.O.B. als auch
Drogen und Alkohol auf.
Den frei gewordenen Platz in seinem Denken versuchte er nun mit Liebe
und Würde für die Menschen auszufüllen. Dieses sollte sich auch auf
seine Musik auswirken, die zusehends spiritueller und ruhiger wurde. So
betonte er immer wieder, er versuche, die Liebe, die er seinem Publikum
zu geben habe, einzufangen, so dass es jeder eigentlich aus jedem Album
heraushören sollte.
Leider, nach dem Vertrag mit VERVE, dessen Verpflichtungen ihn wiederum
zu sehr belasteten, stellten sich manische Depressionen ein, die ihn
dazu zwangen , den Vertrag aufzulösen.
Heute scheint er frischer denn je, denn seine beiden letzten
Produktionen zeugen von einem wieder auferstandenen Ronnie Earl. Seine
Gitarre klingt wieder angezerrt und schmutzig, er bleibt aber auch, und
das noch gesteigert, äußerst sensibel und gefühlvoll im Ausdruck. Es ist
schon eine Freude, wenn man sich in einer ruhigen Minute darauf
einlässt.
Auszeichnungen:
Live in Europe - Best Blues Album 1995 (Pulse Magazine)
Language of the Soul - Best Blues Album 1995 (Boston Music Awards)
Grateful Heart - 1996 Best Blues Album of the year(DownBeat)
Grateful Heart - 1996 German Record Critics Award 2.Halbjahr 1996
1997 W.C:Handy Award Best Blues Guitarist
1999 W.C.Handy Award Best Blues Instrumentalist
Zum Abschluss, in Originalzitaten, noch einige Bemerkungen von
Kritikern:
„...where Earl slackens the pace and carefully squeezes out notes full
of soul"(Derk Richardson, San Francisco Bay Guardian)
„...intense attack and heartfelt expression in a set of mid-tempo
shuffles, slow deep Blues numbers and swinging uptempo vehicles"(Bill
Milkowski, Guitar World)
„Right now, though, no ones's doin' it like Ronnie. Just amazing." (The
Providence Phoenix)
„Not many guitarists can walk the fine line between jazz and blues...."(Paul
Kennedy, The Hard Report)
„He's problably the finest living Blues guitarist on the planet"(Boston
Phoenix)
„Earl speaks with his guitar - eloquently and passionately. There are
many players with great technique, some with great feel, but few with
Ronnie Earl's ability to combine both in the service of the soul" ((The
Providence Phoenix)
„...he is one of the most serious blues guitarists you can find today.
He makes me proud!" (B.B. King)
Quellen:
www.ronnieearl.com
und andere
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Discography: Smokin'(1982/3)
They call me Mr. Earl (1984)
(obige wiederveröffentlicht als „Deep Blues")
Soul searchin' (1988)
I like it when it rains(1990, angeblich bereits 1986 aufgenommen)
Peace of mind(1990)
Surrounded by love(1991)
Still river (1993) - das erste rein instrumentale Album
Blues and forgiveness (Live in Bremen) (1993) auf Bullseye 1995
veröffentlicht (Guitar Virtuoso in Europe)
Language of the Soul (1994)
Eye to eye (1996) - die mit der Muddy Waters Rhythm Section
Grateful Heart: Blues and ballads(1996)
The Colour of love (1997)
Healing time (2000)
Ronnie Earl and friends (2001)
I feel like goin' on (2003)
Now my soul (2004)
The Duke meets the Earl, feat. Duke Robillard (2005) Noch
erwähnenswert sind dann die CDs mit Roomful of Blues; Hot litte
Mama(1981)
R.O.B. with Eddie „Cleanhead" Vinson(1982)
R.O.B. with Joe Turner(1984)
Dressed up to get messed up(1986)
Live at Lupo's Hotel(1986)
Wer sie noch bekommen kann, eine ganz tolle Scheibe ist die 1980er mit
Big Walter Horton - Little Boy Blue!
Und natürlich die CD mit Jimmy Rogers 1994 live!
Dazu gibt es dann noch Sampler:
Test of time - A Retrospective (1992)
Plays Big Blues (1997) |