|
Ronnie Earl (Horvath) ist einer der Gitarristen,
denen aus meiner Sicht bis heute die notwendige Anerkennung für den
Stellenwert, den sie einnehmen, nicht zuteil wurde.
Von 1979 - 1987 war er Mitglied der großartigen Band
„Roomful of Blues“. In diese Zeit fällt auch die Veröffentlichung seiner
ersten Soloaufnahmen auf Black Top Records, „Smokin’ (1983) und „They
call me Mr. Earl“(1984) Leider sind diese LPs als CD nicht einzeln
wieder veröffentlicht, sondern in der CD „Deep Blues“ 1988
zusammengefasst worden, was prinzipiell nicht so schlimm wäre, hätte man
nicht 3 Stücke der Originalalben weggelassen, was angesichts der
Spielzeit der CD von 66’30’’ nicht nötig gewesen wäre.
Trotz vieler hervorragender Nachfolgealben bis heute
zählen diese beiden Erstlingswerke für mich immer noch zu den besten.
Sein Spiel auf diesen Aufnahmen spiegelt die
vielfältige Palette seiner Einflüsse wider, verschmolzen zu einem
eigenwilligen Stil mit persönlicher Prägung. Hier hört man Anklänge an
Earl Hooker, T-Bone Walker, Stevie Ray Vaughan, B.B:King und sogar
Carlos Santana meine ich herauszuhören.
Seine Ausdrucksweise reicht von „dreckig“, „cool“, „laid-back“,
stets der Tradition verhaftet. Sein Sound kommt druckvoll -fordernd,
leicht und elegant, absolut professionell, und neben flinken
Saitenattacken ist sein Spiel von einem ungeheuer starken Ausdruck
geprägt , das nur so voller Gefühl überquillt, etwas , das ich bei all’
so vielen jungen Gitarrenwundern stark vermisse, wo oft nur Wert auf
schnelles Spielen, auf Effekthascherei und Vordergründigkeit gelegt
wird. Das Stück „Baby Doll Blues“ ist ein spezieller Anspieltip, wo
Ronnie Earl alle Register seines Könnens zieht und das eine oder andere
„Zitat“ verwendet, so auch eine klare, kurze „Earl-Hooker- Widmung“.
Da er selbst nicht singt, sind Gastsänger wie Kim
Wilson und Sugar Ray Norcia vertreten, die ihren „Job“ einwandfrei
erfüllen. Stilmäßig hören wir Chicago-Blues im Stil der 50er/60er,
Texas-Blues/Shuffle, einen Hauch Louisiana, eine bunte Mischung
rockender Nummern, „triefender slow Blues“, bekannte Titel im Mix mit
Eigenkompositionen Für mich sind beide Scheiben Klassiker des White
Blues! Bis heute hat Ronnie Earl immer wieder hochwertige CDs
herausgebracht, die ich allen ernsthaft Musikinteressierten ans Herz
legen möchte. Viel Spaß mit Ronnie Earl!
Wolfgang |
|